Ein Blick zurück · Abwassertechnik um 1980

Als Klärtechnik noch Handarbeit war

Ach ja, die 80er … Vokuhila, Kassettenrekorder und Kläranlagen, bei denen die Cloud noch am Himmel hing, ein Tablet gegen Kopfschmerzen half und man bei Windows zuerst an Fenster dachte. 😄

SPS, Prozessleitsystem, Online-Messtechnik oder Störmeldung aufs Handy? Fehlanzeige.

Wenn irgendwo eine Pumpe streikte, ein Rechen dicht war oder sonst etwas nicht so wollte wie es sollte, gab es weder Push-Nachricht noch Fernzugriff.

Und meistens begann die Fehlersuche nicht am Bildschirm, sondern mit Augen, Ohren, Nase – und einer ordentlichen Portion Erfahrung.

„Fahr mal raus und schau nach.“ Die damalige „Fernüberwachung“ 😉
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Als Rechen und Sandfang noch echte Handarbeit waren

Anno 1980 war am Anfang der Abwasserreinigung Muskelkraft statt Automatik angesagt.

🪝 Der Rechen

Die damalige Feinstrechenanlage hatte rund sechs Zentimeter Stababstand und musste regelmäßig von Hand mit der Harke geräumt werden. Das Rechengut? Ab in den Schubkarren und weg damit.

⛏️ Der Sandfang

Auch der Sandfang kannte noch keine automatische Räumung. Was sich dort an Sand und Ablagerungen sammelte, wurde ebenfalls von Hand herausgeschaufelt und entfernt.

😄 Nicht immer eine saubere Sache

Und wenn man dabei etwas Pech hatte, landete so einiges nicht nur in der Schubkarre, sondern auch auf der Kleidung – oder gleich am Mann. Eine unfreiwillige Kostprobe dessen, was die Kläranlage so alles zu bieten hatte, gehörte damals eben manchmal zum Arbeitsalltag.

Damals wurde Abwasser eben nicht nur gereinigt – man kam ihm gelegentlich auch näher, als einem lieb war.

Automatisierung anno 1980?
Zwei Hände, eine Harke, eine Schaufel und ein Schubkarren – fertig war die Räumtechnik. 😉
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Der Tropfkörper – die biologische Mannschaft

Nach Rechen und Sandfang durfte die Muskelkraft kurz durchschnaufen – jetzt übernahmen Milliarden kleiner Mitarbeiter die biologische Arbeit.

🌀 So funktionierte der Tropfkörper

Das Abwasser wurde über einen drehenden Verteiler gleichmäßig auf dem Tropfkörper verteilt und rieselte langsam durch das Füllmaterial. Dort saß die eigentliche Mannschaft: ein Biofilm aus unzähligen Mikroorganismen, der sich mit großem Appetit über die organischen Schmutzstoffe hermachte.

Oben die Brühe drauf – unten deutlich sauberer wieder raus.

🐸 Ungebetener Besuch

Ganz ohne menschliche Hilfe ging es allerdings auch hier nicht. Denn der drehende Verteiler bekam gelegentlich ungewollten Besuch: Ratten, Frösche oder Hygieneartikel und andere Dinge, die eigentlich niemals im Abwasser hätten landen sollen, sorgten schon mal für eine Blockade.

Dann hieß es wieder: Handschuhe an und ran an die Sache. Was den Verteiler blockierte, musste schließlich von Hand entfernt werden – manchmal mit Dingen, denen man lieber nicht ganz so nahe gekommen wäre. 😉

⏱️ Die zuverlässigsten Mitarbeiter

Die kleinen Mitarbeiter im Biofilm störte das wenig: 24 Stunden im Einsatz, sieben Tage die Woche – kein Urlaub, keine Brotzeit und kein Antrag auf Überstunden.

Solange genügend Sauerstoff und etwas zu futtern da waren, lief der Laden – wenn sich nicht gerade wieder ein Frosch in die Technik verirrt hatte. 🐸

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Der damalige „Klärwärter“ war das Prozessleitsystem

Online-Messungen, Fernüberwachung oder automatische Störmeldungen? Fehlanzeige. Das Prozessleitsystem anno 1980 hatte zwei Augen, zwei Ohren, eine gute Portion Erfahrung – und einen möglichst belastbaren Geruchssinn.

👀 Hinschauen

Kontrollgänge gehörten zum Alltag. Pumpen, Motoren und andere Aggregate wurden nicht am Bildschirm überwacht, sondern angeschaut.

👂 Hinhören

„Die Pumpe klingt heute irgendwie komisch.“ Das war damals praktisch die automatische Störmeldung. 😄

👃 Riechen und prüfen

Und wenn es irgendwo anders roch als sonst, war das gelegentlich schon die zweite Alarmstufe. Aggregate wurden manchmal auch angefasst.

Keine Push-Nachricht aufs Handy, keine rote Meldung auf dem Bildschirm – der Klärwärter musste selbst merken, wenn etwas aus dem Ruder lief.

Heute übernehmen automatische Rechen, SPS-Steuerungen, Online-Messtechnik, Prozessleitsysteme und Fernüberwachung einen großen Teil dieser Aufgaben.

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