Mein Name ist Jörg Fella und ich bin Abwassermeister und Betriebsleiter der Zentralkläranlage Gemünden am Main – gelegen im wunderschönen Landkreis Main-Spessart.
Seit 1993 bin ich in der Abwassertechnik unterwegs – also seit einer Zeit, in der Telefone noch Kabel hatten und bei einer Störung nicht zuerst gefragt wurde:
„Hast du schon mal neu gestartet?“ 😉
Und genau dort hat mein Berufsleben ursprünglich begonnen. Als gelernter Fernmeldehandwerker bei der Deutschen Bundespost hatte ich zunächst mit Telefonen, Kabeln und Leitungen zu tun – ein Beruf, den ich wirklich gerne gemacht habe.
1993 kam dann der große Wechsel: von der Deutschen Bundespost zur Stadt Gemünden am Main und damit hinein in die Welt der Abwassertechnik.
Angefangen habe ich auf einer damals schon ziemlich betagten Schreiber-Tropfkörperanlage in Gemünden am Main. Und an meinen ersten Arbeitstag kann ich mich noch ziemlich gut erinnern.
Mein erster Gedanke war ungefähr:
„Was ist dir denn da eingefallen?“
Einen super Job bei der Deutschen Bundespost als Fernmeldehandwerker aufzugeben – und jetzt machst du hier so eine dreckige Arbeit?“
Damals konnte ich natürlich noch nicht wissen, dass genau diese Entscheidung meinen weiteren beruflichen Weg bestimmen würde.
Denn im Nachhinein kann ich sagen:
Ich möchte heute nichts anderes mehr machen.
Abwassertechnik ist unglaublich interessant, vielfältig und technisch anspruchsvoll. Kein Tag ist wirklich wie der andere. Die Technik entwickelt sich ständig weiter, die Anforderungen wachsen und es kommen immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen hinzu.
Aus dem Fernmeldehandwerker wurde also erst einmal ganz einfach ein Mitarbeiter auf einer Kläranlage. Später folgte die erste fachliche Qualifikation zum sogenannten „kleinen Facharbeiter“, wie man das damals nannte – beziehungsweise zum Klärwärter.
1996 ging es dann mit der Qualifikation zum Ver- und Entsorger weiter und später schließlich mit der Weiterbildung zum Abwassermeister.
Aus dem Mann von der Bundespost, der an seinem ersten Arbeitstag noch dachte „Was hast du dir denn da bloß angetan?“, wurde also Schritt für Schritt jemand, der heute sagen kann:
Genau dieser Berufswechsel war eine der besten Entscheidungen meines beruflichen Lebens.
Heute bin ich Betriebsleiter und Abwassermeister der Zentralkläranlage Gemünden am Main. Unsere Kläranlage ist für rund 19.000 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt und arbeitet seit 2006 mit SBR-Technik.
Doch zur Abwasserentsorgung gehört natürlich wesentlich mehr als nur die Kläranlage. Zu unserem Aufgabenbereich gehören außerdem rund 135 Kilometer Kanalnetz, 25 Pumpwerke und 25 Sonderbauwerke.
Damit wird einem eigentlich nie langweilig.
Irgendwo gibt es immer eine Pumpe, die gerade beschlossen hat, nicht mehr pumpen zu wollen, eine Messung, die plötzlich etwas ganz anderes misst als gestern, oder eine Steuerung, die einem freundlich mitteilt:
„Störung.“
Warum?
Das darf man dann selbst herausfinden. 😂
Und nein: Ich stehe nicht den ganzen Tag am Beckenrand und schaue dem Abwasser beim Reinigen zu.
Zumindest nicht jeden Tag.
Wissen weitergeben – und selbst nie auslernen
Neben meiner täglichen Arbeit liegt mir die Aus- und Weiterbildung besonders am Herzen. Deshalb bin ich außerdem:
- Nachbarschaftslehrer der DWA-Nachbarschaft Main-Spessart
- Lehrbeauftragter bei der BVS im Bereich Abwassertechnik
- Lehrbeauftragter der Fortbildung „Neu in der Abwassertechnik“
- Mitglied im Prüfungsausschuss Umwelttechnik für den Bereich Abwasser bei der BVS
Warum ich das mache?
Weil Abwassertechnik auch nach mehr als drei Jahrzehnten ein Beruf ist, bei dem man eigentlich nie fertig gelernt hat.
Neue Technik, neue Vorschriften, neue Verfahren und ständig steigende Anforderungen sorgen dafür, dass sich unser Beruf permanent weiterentwickelt.
Und natürlich gibt es immer wieder diesen ganz besonderen Moment, wenn man vor einer Anlage steht, eigentlich alles funktionieren müsste und man sich trotzdem fragt:
„Warum macht die das jetzt schon wieder?“ 🤔
Genau diese Mischung macht den Beruf für mich aus.
Ich gebe gerne das weiter, was ich mir über viele Jahre an Fachwissen und praktischer Erfahrung angeeignet habe. Gleichzeitig lerne ich bei Seminaren, Nachbarschaftstagen und im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen selbst immer wieder etwas dazu.
Denn häufig findet man die beste Lösung nicht allein am Schreibtisch, sondern im Gespräch mit jemandem, der sagt:
„Das Problem hatten wir auch schon mal …“ 😉
Und plötzlich entsteht aus einem Erfahrungsaustausch eine Lösung, auf die vorher keiner gekommen ist.
Moderne Abwassertechnik bedeutet für mich deshalb weit mehr als Pumpen, Becken, Gebläse, Messgeräte, Elektrotechnik und Steuerungen.
Entscheidend sind die Menschen dahinter – Menschen, die ihr Handwerk verstehen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrungen miteinander zu teilen.
Wenn ich heute auf meinen ersten Arbeitstag im Jahr 1993 zurückblicke und an den Gedanken „Was hast du dir denn dabei gedacht?“ zurückdenke, muss ich schon ein bisschen schmunzeln.
Denn aus der vermeintlich „dreckigen Arbeit“ wurde ein Beruf, der mich bis heute begeistert – technisch anspruchsvoll, abwechslungsreich, verantwortungsvoll und ständig im Wandel.
Und eines habe ich seit 1993 definitiv gelernt:

